Nachruf auf Professor Dr. Fritz Poustka

(1941–2025)

Mit großer Trauer nehmen wir Abschied von Professor Dr. Fritz Poustka (1941–2025), der die Kinder- und Jugendpsychiatrie und die Autismusforschung im deutschsprachigen Raum über Jahrzehnte entscheidend geprägt hat. Sein Tod hinterlässt eine schmerzliche Lücke – bei seiner Familie, bei Freundinnen und Freunden, bei Kolleginnen und Kollegen sowie bei all jenen, denen er als Arzt, Forscher, Lehrer und Mensch begegnet ist.


Fritz Poustka war ein herausragender Kinder- und Jugendpsychiater, dessen klinisches und wissenschaftliches Werk das Verständnis von Autismus-Spektrum-Störungen nachhaltig verändert hat. Er hat wesentlich dazu beigetragen, Autismus differenziert zu beschreiben, früh zu erkennen und in Medizin und Gesellschaft als vielschichtiges Phänomen wahrzunehmen – fern von Klischees und Vereinfachungen. Viele Fortschritte in Diagnostik, Forschung und Versorgung im Bereich Autismus sind untrennbar mit seinem Namen verbunden.


Trotz seiner engen Verbindung zu Wien – und obwohl er einst als Erstgereihter für die Nachfolge von Walter Spiel an der Wiener Kinderpsychiatrie gehandelt wurde – entschied er sich für Frankfurt und prägte von dort aus die Entwicklung des Fachs. International vernetzt, zugleich in der österreichischen und Wiener Kultur tief verwurzelt, verkörperte er eine seltene Verbindung aus wissenschaftlicher Strenge, klinischer Erfahrung und kultureller Offenheit.


Neben seiner fachlichen Brillanz bleibt Fritz Poustka vor allem als Mensch in Erinnerung: belesen, weitblickend, oft unbequem, kompromisslos gegenüber geistiger Trägheit und menschlicher Dummheit. Er nahm sich kein Blatt vor den Mund, formulierte klar und pointiert, ohne je seine Zugewandtheit und seinen feinen Humor zu verlieren. Man konnte sich mit ihm streiten – aber nie an ihm vorbeidenken.


Als Lehrer und Mentor prägte er Generationen von Ärztinnen, Ärzten und Wissenschaftler*innen. Viele von ihnen berichten, wie sein Denken, seine Haltung und sein Anspruch an fachliche Qualität und menschliche Integrität ihr berufliches und persönliches Leben bis heute beeinflussen. Er war ein Vorbild dafür, was es heißt, den Arztberuf als Verantwortung gegenüber den Schwächsten – Kindern, Jugendlichen und ihren Familien – zu verstehen.


Wir verabschieden uns von Fritz Poustka in dem Wissen, dass sein Werk und sein Geist weiterwirken: in der Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit Autismus, in der Forschung, in der Lehre und in den Erinnerungen all jener, die ihn kennenlernen durften.


Wir verlieren mit Fritz Poustka einen außergewöhnlichen Menschen, einen herausragenden Arzt und Wissenschaftler – und bewahren ihn in tiefer Dankbarkeit und großer Wertschätzung in unserer Erinnerung. Gerne unterstützen wir, wie von ihm gewünscht mit einer Spende die WGAS (Wissenschaftliche Gesellschaft Autismus-Spektrum).

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